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© Topothek-Villach | Gudrun Stroitz
Postkarte vom Cellulosewerk in St. Magdalen ca. 1905

Unsere Geschichte

In fast 120 Jahren vom Zellstoffwerk zu einem einzigartigen Hightech-Standort

Als im Jahr 1902 ein Zellstoffwerk der Zellstoff Pöls AG in Villach gegründet wurde, war dies zugleich die Geburtsstunde des Industriestandortes Villach/St. Magdalen. Bis Ende der 80er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts war das Zellstoffwerk am genannten Ort ansässig. Nach dessen Schließung war für die Stadt Villach ein wirtschaftspolitischer Neuanfang notwendig.

© Topothek-Villach | Gundula Stroitz
Postkarte Cellulosefabrik St. Magdalen
© Topothek-Villach | DI Andreas Krautzer
Foto von St. Magdalen in 1980
© Topothek-Villach | Anton Tuma
Hölzerner Laugenturm

TECHNOLOGIEOFFENSIVE

Anstatt zu stagnieren, entschied man sich für eine offensive Technologiepolitik, die für Dynamik, Standort- und Lebensqualität sowie für wirtschaftlichen Aufschwung in den verschiedensten Bereichen steht. Mit dieser Strategie hat sich Villach als Wirtschaftsstandort im Alpen-Adria-Raum im Hightech-Bereich einen Namen gemacht und eine klare Positionierung geschaffen. 

Die Voraussetzungen hierfür waren durch bereits erfolgreich angesiedelte Großunternehmen wie Infineon Technologies (ehemals Siemens) und SEZ (Semiconductor-Equipment - Zubehör für die Halbleiterfertigung), heute Lam Research, gegeben. Ab dem Jahr 1997 kaufte die Stadt Villach sowohl die Flächen des ehemaligen Zellstoffwerkes vom Land Kärnten als auch weitere Flächen privater Eigentümer, um über ein geschlossenes Ansiedelungsareal verfügen zu können. Das dafür notwendige Investitionsvolumen der Stadt für eine Gesamtfläche von rund 27 ha beläuft sich mittlerweile auf rund EUR 10 Millionen.

Dieser Entscheidung ging im Jahre 1996 die Gründung eines eigenen Wirtschaftsreferates (nunmehr Teil der Abteilung Finanzen und Wirtschaft) voraus, dem vorrangig die Aufgabe der Entwicklung Villachs als Hightech-Wirtschaftsstandort und die Schaffung neuer, hochqualitativer Arbeitsplätze im Technologiesektor übertragen wurden.

Die Zellulosefabrik in St. Magdalen
© Stadt Villach

GRÜNDUNG tpv TECHNOLOGIEPARK VILLACH

Grundlage für die Entwicklung des tpv war ein Entwicklungskonzept, das von der möglichen Gesamtnutzfläche von 27 ha inkl. Parkflächen, einem Arbeits- und Lebensraum für rund 4.000 Menschen sowie einer eindeutigen Schwerpunktsetzung in den Bereichen der Mikroelektronik, Elektronik, Mechatronik, Maschinenbau, Erneuerbare Energie, Informations- und Kommunikationstechnologie sowie Zulieferer- und Dienstleistungsbetrieben ausging. Neben dieser Konzentration wurde bereits zum damaligen Zeitpunkt das Drei-Säulen-Modell mit Aus- und Weiterbildung, Forschung & Entwicklung sowie Wirtschaft an einem Standort als verbindendes Element klar definiert. Die Stadt Villach leistete hierbei die Vorarbeit für die Etablierung als international strategisch ausgerichteter Hightech-Park.

Sonnenaufgang über Gebäudekomplexe des Technologieparks
© Martin Steinthaler

FACHHOCHSCHULE KÄRNTEN

Parallel dazu startete 1996 auf Initiative der Stadt Villach der Studiengang Elektronik der damaligen FH Kärnten (heute CU Hochschule Kärnten) am Standort Villach. Diesem folgten bis zum heutigen Tag die Studienbereiche Engineering & IT mit Studiengängen wie Systems Engineering, Maschinenbau, Geoinformation und Umwelt, etc., sowie Wirtschaft und Management mit Studiengängen wie International Business Management, Public Management, etc. Weiters angeboten werden Lehrgänge und Studienbereiche, die Studiengänge der Fernuniversität Hagen und das Multimedia-Diplomstudium der Rechtswissenschaften der Johannes Kepler Universität Linz.

Mit der Fertigstellung des ersten Gebäudes T01 erfolgte die Übersiedlung der Fachhochschule aus der Innenstadt in den tpv.

Gruppenfoto Eröffnung der FH in Villach
© Heinz Hufnagl
© FH Kärnten
Das Gebäude der FH Villach
© Heinz Hufnagl
Eröffnung der FH Villach
© Karin Wernig
Studierende sitzen vor der FH Villach

CTR AG KOMPETENZZENTRUM

Ein weiterer bedeutender Schritt war 1997 die Gründung der CTR AG (Carinthian Tech Research), nunmehr Teil der SAL Silicon Austria Labs GmbH, gemeinsam mit dem Bund, der Industriellenvereinigung Kärnten, dem Land Kärnten und dem Fraunhofer-Institut. Hierbei handelte es sich um ein außeruniversitäres Forschungs- und Kompetenzzentrum im Bereich Sensorik-Aktuatorik (Messtechnik und deren Umsetzung). CTR war seit 1998 das erste Kplus-Kompetenzzentrum in diesen Bereichen und übersiedelte ebenfalls nach Errichtung in das Gebäude T01 in den tpv.

me2c

Neben der Entwicklung des tpv wurde ab 1998 parallel auch der me2c [micro]electronic cluster seitens der Stadt Villach gemeinsam mit den Leitbetriebenaufgebaut. Zielsetzung war es, ein Netzwerk zwischen den bestehenden Leitunternehmen und Klein- und Mittelbetrieben in den genannten Bereichen zu schaffen, um gemeinsame Qualifizierungen von Mitarbeiter:innen, Projekte sowie die Kommunikation zwischen den Cluster-Mitgliedern zu ermöglichen. Die gesetzten Maßnahmen führten im Jahr 2000 zur Gründung eines eigenständigen Vereins, der heute als Silicon Alps Cluster in Kärnten und der Steiermark bundesländerübergreifend in der Branche der Mikroelektronik und Elektronik tätig ist.

20 Jahre CTR Präsentation
© Karin Wernig

WETTBEWERB tpv

Anfang der 2000er-Jahre wurde zur Sicherstellung der Vernetzung und zur Gewährleistung der klaren Positionierung als Hightech-Standort von der Stadt Villach ein städtebaulicher Wettbewerb ausgeschrieben.

Aus den zahlreichen Bewerbungen wurde das Gestaltungskonzept “urLaub” – nach dem Motto „Arbeiten, wo andere Urlaub machen“ – des Architekturbüros Kletzl aus Graz als Siegerprojekt ausgewählt. Der Fokus des Konzepts lag vorrangig auf der Bebauung einzelner Inseln sowie der landschaftlichen und gärtnerischen Inszenierung der übrigen Flächen. Hierbei ging es um die Gestaltung als Auwald, der durch Sträucher und Rasenflächen aufgelockert wird. Aufgrund der Markterfordernisse musste jedoch hiervon Abstand genommen werden; derzeit wird an einem neuen Bebauungsplan gearbeitet.

Architekturmodell
© Karin Wernig

PPP-MODELL T01 und T02

Noch während der Wettbewerbsphase wurde bereits mit der Planung des ersten Gebäudes T01 begonnen. Dabei wurde die Finanzierung sowie die Errichtung durch einen privaten Bauträger im Sinne eines Private-Public-Partnership-Modells (PPP-Modell) vorgenommen.

Im September 2001 wurde das Gebäude T01 fertiggestellt, und die Mieter:innen FH Kärnten und CTR AG (nunmehr SAL Silicon Austria Labs GmbH) konnten in die nach ihren Anforderungen konzipierten Flächen einziehen. Somit war die erste “Zelle“ des Drei-Säulen-Modells realisiert. Das Gesamtinvestitionsvolumen der ersten Baustufe betrug ca. 11 Millionen Euro. Bereits nach kurzer Zeit war die Fläche von 13.000 m² zu 100 % ausgelastet.

Luftbild von den Gebäuden T01 und T02 in vista
© Fritz Press

Bereits im Juni 2002 konnte das zweite Gebäude T02 ebenfalls im PPP-Modell errichtet werden, wobei es vor allem für Unternehmen im technologischen Bereich konzipiert wurde. Die Nutzfläche dieses Gebäudes beträgt rund 11.500 m², das Investitionsvolumen belief sich auf ca. 15 Millionen Euro.

In den darauffolgenden zwei Jahrzehnten wuchs der tpv stetig. Neben der Ansiedlung von Unternehmen wie der Wirtschaftskammer Kärnten (WKO) und dem Wirtschaftsförderungsinstitut WIFI, der T.I.P.S. (Technical Innovation – Physical Solutions) Messtechnik GmbH und der Gemeinnütziges Personalservice Kärnten GmbH (GPS), wurde 2012 das STUWO Studierendenwohnheim eröffnet und 2015 das erste Gebäude B01 des  High Tech Campus Villach fertiggestellt. 

Übersicht T01 & T02


~11 Mio €
Investitionsvolumen für die erste Bauphase (T01)
13.000 m²
Fläche Gebäude T01
~15 Mio €
Investitionsvolumen für die zweite Bauphase (T02)
11.500 m²
Fläche Gebäude T02

EXPANSION

Seit 2021 entwickelt sich der tpv Technologiepark Villach kontinuierlich weiter. Mit dem Baustart des Gebäudes BA02 begann die zweite Ausbauphase des High Tech Campus Villach (HTCV), die 2022 mit der feierlichen Übergabe an die Silicon Austria Labs GmbH abgeschlossen wurde. Im selben Jahr wurden zudem ein neues EMV-Mess- und Prüflabor sowie ein modernes Besucher:innenleitsystem mit alphabetischer Beschriftung aller Gebäude eingeführt.

In den Jahren 2023 und 2024 folgten weitere wichtige Meilensteine: der Spatenstich und die Eröffnung des Aus- und Weiterbildungscampus Campo, die Fertigstellung des dritten Firmengebäudes der T.I.P.S. GmbH, die Inbetriebnahme des größten Forschungsreinraums Österreichs durch SAL sowie die Eröffnung des neuen städtischen Kindergartens mit dem „Mini Educational Lab“, das Kindern erste Einblicke in MINT-Themen bietet. Darüber hinaus wurde der Eingangsbereich des tpv in enger Zusammenarbeit mit Kunstschaffenden, Lehrlingen und Studierenden kreativ neu gestaltet.

tpv Einfahrtsschild
© digitallotsen.at

Auch in den darauffolgenden Jahren setzte sich dieser rasante Wachstumskurs fort. So wurde das Angebot am Campus im Frühjahr 2025 durch die Eröffnung der neuen GPS-Beschäftigungswerkstatt weiter ausgebaut. Die Ansiedelung des Unternehmens Extoll und der Startschuss für Europas erste Ionenfallen-Chip-Pilotlinie (SAL) im Mai 2025 unterstrichen einmal mehr die Bedeutung des Standorts für die Spitzenforschung. Parallel dazu wurde die Infrastruktur modernisiert: Im August 2025 feierte man die Einweihung der neuen Flusstribüne als Kommunikations- und Begegnungszone direkt an der Drau, gefolgt von der Inbetriebnahme neuer KELAG-Schnellladestationen am HTCV.   

Im Jahr 2026 steht ein ganz besonderes Meilensteinereignis bevor: Der Technologiepark Villach feiert sein 25-jähriges Bestehen. Ein Vierteljahrhundert nach der offiziellen Eröffnung im Jahr 2001 blickt dieser stolz auf seine Erfolgsgeschichte vom ehemaligen Zellstoffwerk zum international anerkannten Campus für Forschung, Bildung und Wirtschaft zurück.

Drohnenaufnahme der neuen Flusstribüne und umliegenden Gebäude
© mpecsi

WAS DIE ZUKUNFT BRINGT

Der Technologiepark wächst stetig weiter. Um den kontinuierlich steigenden Anforderungen von Wirtschaft, Forschung und Bildung gerecht zu werden, wird das Areal durch ein einheitliches Grünraumkonzept sowie neue Kommunikations- und Begegnungszonen fortlaufend weiter aufgewertet. Auch weitere infrastrukturelle Entwicklungen und Zubauten sind bereits in Planung.

Panoramablick auf den Technologiepark Villach
© Stadt Villach | Thomas Künster